Babies schreien lassen?

In der Regel kommen derlei Hinweise von der älteren Generation: „Babies muss man auch mal schreien lassen!“ Bloß nicht permanent sofort darauf reagieren, so der wohlgemeinte Rat. Das jetzt aus Leibeskräften schreiende Baby werde sich ganz bestimmt zum Tyrann entwickeln und den Eltern auf der Nase herumtanzen, wenn man umgehend darauf reagiere. Derart „verwöhnte“ Babies würden sich ausserdem später wohl kaum zu gestärkten Persönlichkeiten entwickeln. Babies, die gerade dem Mutterleib entschlüpft sind, schikanieren also ihre Eltern und testen aus, wie weit sie mit ihrem Gebrüll gehen können, um verwöhnt zu werden?? Eltern brüsten sich sogar damit, dass ihr Baby zügig gelernt habe, nachts durchzuschlafen, indem sie es einfach einige Nächte haben durchschreien lassen.

Bei solchen Bekundungen stellen sich mir sämtliche Nackenhaare auf! Was solche Babies defintiv lernen, ist, dass ihre Hilferufe ignoriert werden. Sie können noch so lauthals und ausdauernd auf sich aufmerksam machen und werden dennoch nicht erhört. Was sollte daran pädagogisch wertvoll sein? Die Bedürfnisse eines kleinen Säuglings sind in erster Linie die Versorgung mit Nahrung und Schutz vor Feinden. Beides wird durch unmittelbare Nähe der Eltern, insbesondere der (stillenden) Mutter sichergestellt. Die Nähe der Eltern ist ein wichtiger Überlebensvorteil des kleinen hilflosen und schutzbedürftigen Säuglings. Sich darauf verlassen zu können, schafft eine sichere, vertrauensvolle Bindung und macht solche Babies gerade zu bindungsfähigen und selbstsicheren Erwachsenen.

Das seelischen Grundbedürfnisses nach Nähe zu befriedigen, ist keinesfalls mit einem Verwöhnen gleichzusetzen, sondern vielmehr vollkommen natürlich, weswegen es uns angeboren ist, ein weinendes Baby in den Arm nehmen und trösten zu wollen. Keine Mutter und kein Vater sollte sich diesem natürlichen Impuls nur aufgrund wilder Theorien von vermeintlichen Erziehungsexperten beugen, sondern den Mut aufbringen, auf das eigene Bauchgefühl nicht nur zu hören, sondern diesem auch zu vertrauen.

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