Antibiotika – mehr Fluch als Segen?

So segensreich Antibiotika-Behandlungen sein mögen, so gefährlich ist dessen achtlose Verschreibung von Ärzten, nur um „auf Nummer sicher zu gehen“. Bereits der Penicillin-Erfinder warnte vor Resistenzen und in der Tat wurden diese durch übermäßigen, leichtfertigen Gebrauch schnell heraufbeschworen. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) warnt längst davor, dass Krankheitserreger durch Überverschreibung von Antibiotika nicht mehr auf diese ansprechen und wir einer Ära entgegen steuern, in der Seuchen wieder aufblühen und einfachste Infektionen oder Verletzungen tödlich enden können.

Darüberhinaus erhalten Bakterien, die ein Nischendasein führten und den Angriff des Wundermittels überleben, plötzlich Gelegenheit, sich massenhaft auszubreiten. Auf diese Weise können Krankheiten ausgelöst werden, die am Ende schwerwiegender als der ursprüngliche eher banale Effekt ausfallen.

Doch neben der Gefahr der Resistenzbildung ist die Verwendung von Antibiotikum auch aus anderer Sicht problematisch. Der sinnbringende Erhalt der Artenvielfalt in der Natur ist jedem geläufig. Auch in unserem Darm herrscht ein artenreiches Vorkommen von 100 Billionen Mikroben. Mit ihren rund 20 Millionen Genen greifen diese Mikroben, die auch als Mikrobiom zusammengefasst werden,  regulierend in den Organismus ein. Man spricht nicht umsonst vom eigenständigen Darm-Immunsystem. Antibiotika reduzieren jene Artenvielfalt des Mikrobioms drastisch. Gemäß einer Studie an Babies, von der die britische Wissenschaftsautorin Alann Collen in ihrem Buch „Die stille Macht der Mikroben“ berichtet, zerstörten mehrere Antibiotika-Kuren das Mikrobiom im Darm dieser heranwachsenden Geschöpfe vollständig.

Im Darm befindet sich außerdem eine Ansammlung von 500 Millionen Nervenzellen. Dieses sogenannte „Bauchhirn“ bringen wir auch umgangsprachlich zum Ausruck, wenn wir etwas „aus dem Bauch heraus“ entscheiden oder ein ungutes „Bauchgefühl“ haben. Der Darm kommuniziert mit dem Gehirn im Kopf und umgekehrt und Darmbakterien haben hierbei einiges mitzureden. Und genau in dieses sensible Gefüge greifen Antibiotika mit der Zerstörung des Mikrobioms massiv ein.

 

 

 

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